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Faserverstärkte Filamente — was bringen
CF und GF wirklich?

Carbonfaser- und glasfaserverstärkte Filamente versprechen höhere Steifigkeit, bessere Maßhaltigkeit und reduzierte Verformung. Doch nicht jedes Bauteil profitiert gleichermaßen davon, und die Verarbeitung stellt eigene Anforderungen an Drucker und Druckparameter. Wir erklären, was CF- und GF-Varianten tatsächlich leisten, wo ihre Grenzen liegen und wann sich der Mehrpreis lohnt.

Was faserverstärkt bedeutet

Faserverstärkte Filamente bestehen aus einem thermoplastischen Grundmaterial — zum Beispiel PLA, PETG, PA oder PPS — dem kurze Fasern beigemischt sind. Die Faserlänge liegt typischerweise zwischen 0,05 und 0,2 mm, der Faseranteil bei 10 bis 20 Gewichtsprozent.

Man unterscheidet zwei Fasertypen:

Carbonfasern (CF) sind extrem steif und leicht. Ihre Zugfestigkeit liegt bei rund 3.500 MPa, ihr E-Modul bei etwa 230 GPa. Im Filament sorgen sie vor allem für eine deutliche Erhöhung der Steifigkeit und Maßstabilität.

Glasfasern (GF) sind günstiger als Carbonfasern und bieten eine gute Festigkeitssteigerung bei geringerer Steifigkeitserhöhung. Ihre Zugfestigkeit liegt bei rund 2.000 MPa, der E-Modul bei etwa 72 GPa. Glasfaserverstärkte Filamente sind oft die wirtschaftlichere Alternative, wenn keine maximale Steifigkeit gefordert ist.

Wichtig: Bei FDM-Filamenten handelt es sich um kurzfaserverstärkte Compounds — nicht um Endlosfaserverstärkung wie bei CFK-Laminaten in der Luft- und Raumfahrt. Die Fasern sind kurz, zufällig orientiert und in die Polymermatrix eingebettet. Die resultierenden Eigenschaften liegen deshalb deutlich unter denen eines klassischen Faserverbundwerkstoffs, aber ebenso deutlich über denen des reinen Grundmaterials.

Was sich verbessert

Die Steifigkeit steigt durch Faserverstärkung erheblich. PA-CF hat beispielsweise einen Biege-E-Modul von etwa 6.000 bis 8.000 MPa — gegenüber rund 1.500 bis 2.500 MPa bei reinem PA. Das Bauteil wird spürbar steifer und widerstandsfähiger gegen Durchbiegung unter Last.

Die Maßstabilität verbessert sich deutlich. Fasern reduzieren die thermische Schrumpfung des Grundmaterials, weil sie selbst kaum schrumpfen und die Bewegung der Polymermatrix einschränken. Besonders bei Materialien mit hoher Schrumpfrate — wie Nylon — ist der Effekt ausgeprägt. PA-CF verzieht sich im Druck deutlich weniger als reines PA und liefert engere Toleranzen.

Die Wärmeformbeständigkeit kann durch Faserverstärkung leicht ansteigen, da die Fasern die Polymermatrix bei erhöhten Temperaturen stabilisieren. Der Effekt ist materialabhängig und liegt typischerweise bei 5 bis 15 °C Verbesserung gegenüber dem unverstärkten Material.

Die Oberflächenqualität ist bei faserverstärkten Filamenten oft etwas matter und gleichmäßiger als beim Grundmaterial. Die Fasern unterdrücken den typischen Glanz mancher Kunststoffe und erzeugen eine leicht texturierte, technisch anmutende Oberfläche.

Die Feuchtigkeitsaufnahme von Nylon wird durch Carbonfasern reduziert, da die Fasern selbst kein Wasser aufnehmen und den Anteil des hygroskopischen Polymers im Gesamtmaterial verringern. PA-CF nimmt weniger Feuchtigkeit auf als reines PA und ist damit dimensionsstabiler über die Zeit.

Was sich nicht verbessert — oder verschlechtert

Die Zugfestigkeit steigt durch Kurzfaserverstärkung weniger stark als oft angenommen. Die kurzen Fasern sind nicht in der Lage, Zugkräfte über größere Distanzen zu übertragen — dafür wären Endlosfasern nötig. Die Zugfestigkeit von PA-CF liegt je nach Hersteller bei 70 bis 100 MPa, gegenüber 50 bis 80 MPa bei reinem PA. Der Zugewinn ist messbar, aber nicht dramatisch.

Die Schlagzähigkeit kann durch Faserverstärkung sogar sinken. Kurze, steife Fasern machen das Material spröder — die Fähigkeit, Energie bei einem Schlag aufzunehmen, nimmt ab. Reines PA ist zäh und kann sich verformen, bevor es bricht. PA-CF bricht tendenziell früher und ohne Vorwarnung. Für Anwendungen, bei denen Schlagbelastungen auftreten, ist das ein relevanter Nachteil.

Die Schichthaftung in Z-Richtung verbessert sich durch Fasern nicht wesentlich. Die Schwachstelle eines FDM-Bauteils — die Grenzfläche zwischen den Schichten — wird durch die Fasern kaum beeinflusst, da die kurzen Fasern innerhalb einer Schicht liegen und die Schichtgrenze nicht überbrücken. Die Anisotropie bleibt bestehen.

Die Bruchdehnung sinkt deutlich. Während reines PA Dehnungen von 30 bis 200 Prozent erreichen kann (je nach Typ), liegt die Bruchdehnung von PA-CF oft unter 5 Prozent. Das Material versagt spröde — ohne sichtbare Verformung vorher.

Anforderungen an den Drucker

Faserverstärkte Filamente stellen spezifische Anforderungen an die Druckhardware.

Die Düse muss aus gehärtetem Stahl bestehen. Standard-Messingdüsen werden durch die abrasiven Fasern innerhalb weniger Druckstunden aufgeweitet — der Düsendurchmesser wächst, die Druckqualität sinkt. Gehärtete Stahldüsen oder Düsen aus Wolframcarbid sind verschleißfest, haben aber eine geringere Wärmeleitfähigkeit als Messing. Das bedeutet: Die Aufheizzeit ist etwas länger und die maximale Druckgeschwindigkeit kann eingeschränkt sein.

Der Extruder muss ausreichend Kraft aufbringen, um das steifere Filament durch die Düse zu drücken. Faserverstärkte Filamente sind härter als ihre unverstärkten Varianten und erfordern einen Extruder mit hoher Andruckkraft und griffigen Zahnrädern.

Die Drucktemperatur liegt in der Regel im gleichen Bereich wie beim unverstärkten Grundmaterial, kann aber leicht erhöht werden, um den Materialfluss zu verbessern. Die genaue Temperatur hängt vom spezifischen Filament und Hersteller ab.

Welche Materialien profitieren am meisten

Nicht jedes Grundmaterial profitiert gleichermaßen von Faserverstärkung. Der größte Nutzen entsteht dort, wo das unverstärkte Material bekannte Schwächen hat, die durch Fasern kompensiert werden.

Nylon (PA) profitiert am stärksten. Die Kombination aus Nylons hervorragender Zähigkeit und Verschleißfestigkeit mit der Steifigkeit und Maßstabilität der Carbonfasern ergibt ein Material, das für viele technische Anwendungen schwer zu schlagen ist. PA-CF ist eines der meistgenutzten technischen FDM-Filamente.

PPS und PC profitieren ebenfalls deutlich, insbesondere in Bezug auf Maßstabilität bei hohen Temperaturen. PPS-CF ist für Hochtemperaturanwendungen eines der leistungsfähigsten FDM-Materialien überhaupt.

PLA und PETG profitieren in geringerem Maße. PLA-CF ist steifer als reines PLA, aber die fundamentalen Einschränkungen von PLA — geringe Temperaturbeständigkeit und Sprödigkeit — werden durch die Fasern nicht behoben. PLA-CF ist ein steifes, maßhaltiges Material für Anwendungen ohne thermische oder mechanische Extrembelastung.

ASA und ABS können ebenfalls faserverstärkt werden, wobei Carbonfaser-Varianten hier seltener sind als bei PA. ASA-CF bietet eine verbesserte Steifigkeit bei gleichzeitiger UV-Beständigkeit.

Wann sich der Mehrpreis lohnt

Faserverstärkte Filamente kosten typischerweise 40 bis 80 Prozent mehr als das unverstärkte Grundmaterial. PA-CF liegt bei etwa 40 bis 70 Euro pro Kilogramm, gegenüber 25 bis 45 Euro für reines PA (Herstellerpreise, Stand 2025). Hinzu kommen die Kosten für verschleißfeste Düsen, die regelmäßig getauscht werden müssen.

Der Mehrpreis lohnt sich, wenn das Bauteil hohe Steifigkeit bei geringem Gewicht erfordert — etwa Vorrichtungen, Werkzeuge oder strukturelle Komponenten. Wenn Maßhaltigkeit kritisch ist und das unverstärkte Material zu stark schrumpft oder sich verzieht. Wenn das Bauteil aus Nylon gefertigt werden soll und die Feuchtigkeitsaufnahme ein Problem darstellt.

Der Mehrpreis lohnt sich nicht, wenn die Anwendung keine erhöhte Steifigkeit erfordert — etwa bei Gehäusen oder Abdeckungen ohne mechanische Belastung. Wenn Schlagzähigkeit wichtiger ist als Steifigkeit — hier ist unverstärktes PA die bessere Wahl. Wenn das Budget begrenzt ist und das unverstärkte Material die Anforderungen bereits erfüllt.

FAZIT

Faserverstärkte Filamente sind keine universelle Verbesserung, sondern ein gezieltes Werkzeug für spezifische Anforderungen. Sie erhöhen Steifigkeit und Maßstabilität erheblich, können aber Schlagzähigkeit und Bruchdehnung verschlechtern. Ob sich der Einsatz lohnt, hängt von der konkreten Anwendung ab — nicht vom Wunsch nach dem „besseren” Material. Die richtige Frage ist nicht „Soll ich CF nehmen?“, sondern „Braucht mein Bauteil mehr Steifigkeit oder mehr Zähigkeit?”. Die Antwort darauf bestimmt die Materialwahl.

 

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