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Stützstrukturen — warum sie nötig sind
und wie wir sie minimieren

Überhänge, Brücken und schwebende Geometrien brauchen beim FDM-Druck Stützstrukturen — zusätzliches Material, das nach dem Druck wieder entfernt wird. Stützen kosten Material, Druckzeit und Nachbearbeitungsaufwand. Wir erklären, wann sie unvermeidlich sind, wie wir durch gezielte Bauteilorientierung den Stützaufwand reduzieren und welche Rolle lösliche Stützmaterialien dabei spielen.

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Warum Stützstrukturen nötig sind

FDM druckt Schicht für Schicht von unten nach oben. Jede neue Schicht wird auf die darunterliegende aufgetragen und muss dort haften. Wenn ein Bereich des Bauteils in der Luft schwebt — also keine darunterliegende Schicht vorhanden ist — hat das Material nichts, worauf es aufgetragen werden kann. Es würde einfach herunterfallen.

Stützstrukturen lösen dieses Problem, indem sie eine temporäre Unterlage bilden. Sie werden zusammen mit dem Bauteil gedruckt und nach der Fertigung entfernt. Im Slicer werden sie automatisch generiert, können aber manuell angepasst werden.

Nicht jede Geometrie erfordert Stützstrukturen. Die entscheidende Größe ist der Überhangwinkel — der Winkel zwischen der Bauteilfläche und der horizontalen Druckebene. Als Faustregel gilt: Überhänge bis etwa 45 Grad können von den meisten Druckern ohne Stützen gedruckt werden. Ab 45 Grad beginnt die Druckqualität zu leiden, und ab etwa 60 Grad sind Stützstrukturen zwingend erforderlich.

Horizontale Flächen ohne jede Unterstützung — sogenannte Brücken — sind ein Sonderfall. Kurze Brücken bis etwa 10–15 mm Spannweite können ohne Stützen gedruckt werden, wenn die Druckparameter stimmen: niedrige Geschwindigkeit, aktive Kühlung und exakte Temperaturkontrolle. Bei längeren Brücken durchhängt das Material sichtbar.

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Arten von Stützstrukturen

Die einfachste Form ist die lineare Stützstruktur: Ein Gitter aus dünnen Wänden, das unter dem Überhang aufgebaut wird. Die Kontaktfläche zwischen Stütze und Bauteil wird absichtlich schwach ausgeführt, damit sich die Stütze nach dem Druck möglichst leicht entfernen lässt.

Baumförmige Stützstrukturen (Tree Supports) sind eine neuere Variante. Sie wachsen wie Äste von unten nach oben und verzweigen sich erst dort, wo sie das Bauteil tatsächlich berühren. Der Vorteil: weniger Materialeinsatz, weniger Kontaktfläche zum Bauteil und damit eine bessere Oberfläche nach der Entfernung. Baumstützen eignen sich besonders für organische Geometrien mit vielen verteilten Überhängen.

Die Wahl der Stützart hängt von der Geometrie ab. Lineare Stützen sind bei großen flächigen Überhängen stabiler und zuverlässiger. Baumstützen sind bei komplexen Formen mit vielen kleinen Überhängen effizienter.

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Lösliche Stützmaterialien

Bei Druckern mit zwei Extrudern besteht die Möglichkeit, die Stützstrukturen aus einem löslichen Material zu drucken. Das Bauteil wird aus dem eigentlichen Werkstoff gedruckt, die Stützen aus einem wasserlöslichen oder laugenbasierten Material.

PVA (Polyvinylalkohol) löst sich in Wasser auf und eignet sich als Stützmaterial für PLA und PETG. Das Bauteil wird nach dem Druck in ein Wasserbad gelegt, und die Stützen lösen sich innerhalb einiger Stunden vollständig auf. Die verbleibende Oberfläche ist deutlich sauberer als bei mechanisch entfernten Stützen.

BVOH (Butenediol Vinyl Alcohol Co-polymer) ist eine verbesserte Variante von PVA mit schnellerer Löslichkeit und besserer Verträglichkeit mit einer breiteren Palette von Druckmaterialien.

Für technische Kunststoffe wie ABS oder ASA kommt HIPS (High Impact Polystyrene) als Stützmaterial in Frage. HIPS löst sich in Limonen (D-Limonen), einem Lösungsmittel auf Zitrusbasis. Der Lösungsvorgang ist langsamer als bei PVA in Wasser, aber HIPS verträgt die höheren Drucktemperaturen, die für ABS und ASA erforderlich sind.

Lösliche Stützmaterialien erhöhen die Materialkosten und die Druckzeit, da der Druckkopf bei jedem Schichtwechsel zwischen den beiden Materialien wechseln muss. Der Vorteil liegt in der deutlich besseren Oberflächenqualität an den Stützflächen und der Möglichkeit, Geometrien zu realisieren, bei denen mechanisch entfernbare Stützen nicht zugänglich wären — etwa innenliegende Kanäle oder geschlossene Hohlräume.

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Auswirkungen auf das Bauteil

Stützstrukturen hinterlassen Spuren. An den Kontaktflächen zwischen Stütze und Bauteil bleibt nach der Entfernung eine raue Oberfläche zurück. Bei mechanisch entfernten Stützen sind oft kleine Materialreste oder Abrisspuren sichtbar, die nachbearbeitet werden müssen.

Die Oberflächenqualität an der Stützseite ist grundsätzlich schlechter als an freigedruckten Flächen. Wenn eine bestimmte Oberfläche des Bauteils optisch oder funktional wichtig ist, sollte das Bauteil so orientiert werden, dass diese Fläche möglichst keine Stützen benötigt.

Stützstrukturen erhöhen den Materialverbrauch je nach Bauteil um 10 bis 40 Prozent. Die Druckzeit steigt entsprechend. Bei großen Bauteilen mit umfangreichen Stützen kann der Stützanteil den Materialverbrauch des eigentlichen Bauteils sogar übersteigen.

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Stützaufwand minimieren: Bauteilorientierung

Die wirksamste Methode zur Reduzierung von Stützstrukturen ist die Optimierung der Bauteilorientierung auf dem Druckbett. Durch Drehen oder Kippen des Bauteils lassen sich Überhänge oft vermeiden oder unter den kritischen 45-Grad-Winkel bringen.

Ein einfaches Beispiel: Ein L-förmiges Bauteil, das aufrecht gedruckt wird, benötigt Stützen für den horizontalen Schenkel. Legt man es flach auf das Druckbett, entfallen die Stützen vollständig — allerdings ändert sich die Schichtrichtung und damit die mechanische Belastbarkeit.

Die optimale Orientierung ist deshalb immer ein Kompromiss zwischen Stützaufwand, Oberflächenqualität, mechanischer Festigkeit und Druckzeit. Diesen Kompromiss zu finden, erfordert Erfahrung und ein Verständnis der Bauteilanforderungen.

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Stützaufwand minimieren: Konstruktive Maßnahmen

Bereits in der Konstruktion können Maßnahmen getroffen werden, die den Stützaufwand reduzieren.

Überhangwinkel berücksichtigen: Flächen, die steiler als 45 Grad zur Horizontalen geneigt sind, benötigen in der Regel keine Stützen. Wo möglich, sollten Schrägen statt horizontaler Unterflächen konstruiert werden.

Fasen statt scharfe Kanten: Eine 45-Grad-Fase an der Unterseite eines Vorsprungs kann Stützstrukturen überflüssig machen. Die Fase kostet wenig Bauraum, spart aber erheblich Material und Druckzeit.

Selbsttragende Geometrien: Bögen und Brücken bis etwa 10 mm Spannweite können ohne Stützen gedruckt werden. Kreisförmige Öffnungen lassen sich durch tropfenförmige oder spitzbogenförmige Konturen ersetzen, die selbsttragend sind.

Teilung des Bauteils: In manchen Fällen ist es sinnvoller, ein Bauteil in zwei stützfrei druckbare Hälften zu teilen und diese nach dem Druck zu verkleben, als das gesamte Teil mit umfangreichen Stützen zu drucken.

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FAZIT

Stützstrukturen sind im FDM-Druck ein notwendiges Werkzeug, aber kein unvermeidliches Übel. Durch die richtige Kombination aus Bauteilorientierung, konstruktiver Anpassung und geeignetem Stützmaterial lässt sich der Stützaufwand in den meisten Fällen erheblich reduzieren. Das Ergebnis sind kürzere Druckzeiten, weniger Materialverbrauch und bessere Oberflächen. Die Stützstrategie gehört deshalb zur Fertigungsauslegung — nicht erst zur Nachbearbeitung.

 

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