

FDM, SLA, SLS — welches 3D-Druckverfahren passt wann?
Nicht jedes 3D-Druckverfahren eignet sich für jede Anwendung. FDM, SLA und SLS unterscheiden sich grundlegend in Materialauswahl, Oberflächenqualität, mechanischen Eigenschaften und Kosten. Wir ordnen die drei gängigsten Verfahren ein — sachlich, ohne Verkaufsabsicht — damit ihr einschätzen könnt, wann FDM die richtige Wahl ist und wann nicht.
Die drei Verfahren im Überblick
Alle drei Verfahren sind additiv — sie bauen Bauteile Schicht für Schicht auf. Der grundlegende Unterschied liegt im Material und in der Art, wie jede Schicht erzeugt wird.
FDM (Fused Deposition Modeling) arbeitet mit thermoplastischen Kunststofffäden (Filamenten), die durch eine beheizte Düse aufgeschmolzen und als Bahnen aufgetragen werden. Die Schichthöhe liegt typischerweise zwischen 0,1 und 0,3 mm.
SLA (Stereolithografie) verwendet flüssiges Kunstharz (Resin), das durch einen UV-Laser oder einen LCD-Bildschirm punktgenau ausgehärtet wird. Die Schichthöhe kann bis auf 0,025 mm reduziert werden — deutlich feiner als bei FDM.
SLS (Selektives Lasersintern) arbeitet mit Kunststoffpulver, das von einem Laser schichtweise verschmolzen wird. Das umgebende Pulver stützt das Bauteil während des Drucks, sodass keine Stützstrukturen benötigt werden. Typische Schichthöhen liegen bei 0,06 bis 0,12 mm.
Oberflächenqualität
Die sichtbare Schichtstruktur ist bei FDM am stärksten ausgeprägt. Bei einer Schichthöhe von 0,2 mm sind die Schichtlinien deutlich sichtbar und tastbar. Selbst bei 0,1 mm Schichthöhe bleibt eine leichte Textur erkennbar. Für optisch anspruchsvolle Oberflächen ist Nachbearbeitung erforderlich — etwa Schleifen oder chemisches Glätten.
SLA liefert die glattesten Oberflächen aller drei Verfahren. Durch die extrem feinen Schichthöhen und die gleichmäßige Aushärtung des Resins entstehen Bauteile, die nahezu spritgussähnliche Oberflächen aufweisen. Bei visuellen Prototypen, Schmuckmodellen oder dentalen Anwendungen ist SLA häufig die erste Wahl.
SLS bietet eine leicht raue, gleichmäßig matte Oberfläche, die durch die Pulverkorngröße bestimmt wird. Die Oberflächenqualität liegt zwischen FDM und SLA. Die Textur ist gleichmäßiger als bei FDM, da keine Schichtlinien in der typischen FDM-Optik sichtbar sind.
Mechanische Eigenschaften
FDM-Bauteile zeigen eine ausgeprägte Anisotropie: In der Druckebene (X/Y) sind sie deutlich fester als senkrecht dazu (Z-Richtung). Die Zugfestigkeit in Z liegt je nach Material und Parametern 20 bis 50 Prozent unter dem Wert in der Druckebene. Dieser Effekt muss bei der Bauteilorientierung berücksichtigt werden. Dafür bietet FDM die breiteste Materialpalette — von flexiblem TPU über zähes Nylon bis hin zu hochtemperaturbeständigem PPS.
SLA-Bauteile sind nahezu isotrop, also in allen Richtungen gleich fest. Die absolute Festigkeit ist allerdings oft geringer als bei FDM-Teilen aus technischen Kunststoffen. Standard-Resins sind relativ spröde und empfindlich gegenüber UV-Strahlung — sie vergilben und verspröden bei längerer Sonneneinstrahlung. Es gibt spezielle technische Resins mit verbesserten mechanischen Eigenschaften, diese sind jedoch deutlich teurer und erfordern eine aufwändige Nachbehandlung mit UV-Kammern.
SLS-Bauteile bieten die gleichmäßigsten mechanischen Eigenschaften. Durch das vollständige Verschmelzen des Pulvers entsteht ein nahezu isotropes Bauteil. Das Standardmaterial im SLS-Verfahren ist PA12 (Nylon), das eine gute Balance aus Festigkeit, Zähigkeit und Temperaturbeständigkeit bietet. Die Materialauswahl ist allerdings deutlich eingeschränkter als bei FDM — faserverstärkte Varianten, Hochleistungskunststoffe und flexible Materialien sind im SLS-Bereich selten oder gar nicht verfügbar.
Materialauswahl
FDM bietet die mit Abstand größte Materialvielfalt. Von einfachem PLA über technische Kunststoffe wie ASA, ABS und PA bis hin zu Hochleistungswerkstoffen wie PPS und PC — das Spektrum umfasst über ein Dutzend verschiedene Materialfamilien, jeweils mit zahlreichen Varianten und faserverstärkten Optionen. Auch flexible Materialien wie TPU sind im FDM-Druck Standard.
SLA arbeitet mit lichthärtenden Kunstharzen. Die Auswahl umfasst Standard-Resins, technische Resins (mit erhöhter Festigkeit oder Temperaturbeständigkeit), flexible Resins und keramisch gefüllte Varianten. Die mechanischen Eigenschaften reichen jedoch nicht an die Bandbreite thermoplastischer Kunststoffe heran.
SLS ist im Wesentlichen auf PA12 und PA11 beschränkt, mit einigen wenigen Varianten wie glasgefülltem oder aluminiumbefülltem Nylon. Die Materialauswahl ist funktional ausreichend für viele Anwendungen, aber deutlich begrenzter als bei FDM.
Stützstrukturen und Designfreiheit
FDM benötigt Stützstrukturen für Überhänge ab einem Winkel von etwa 45 Grad. Diese werden mitgedruckt und müssen nach dem Druck entfernt werden. Bei Druckern mit zwei Extrudern kann lösliches Stützmaterial verwendet werden, das sich in Wasser oder Lauge auflöst. Stützstrukturen hinterlassen Spuren auf der Oberfläche und begrenzen die geometrische Freiheit.
SLA benötigt ebenfalls Stützstrukturen, die das Bauteil während des Drucks in der Harzwanne stabilisieren. Diese sind dünner als FDM-Stützen, hinterlassen aber sichtbare Kontaktpunkte auf der Oberfläche.
SLS benötigt keine Stützstrukturen. Das umgebende Pulver stützt das Bauteil während des gesamten Druckprozesses. Das ermöglicht komplexe Geometrien wie ineinander verschlungene Ketten, innenliegende Kanäle oder Gitterstrukturen, die mit FDM oder SLA nicht oder nur mit erheblichem Aufwand realisierbar wären.
Bauteilgröße und Stückzahlen
FDM bietet großzügige Bauräume. Druckvolumina von 350 × 320 × 325 mm und mehr sind bei professionellen Druckern Standard. Für Einzelteile und Kleinserien bis etwa 100 Stück ist FDM in der Regel die wirtschaftlichste Option, da keine Rüstkosten anfallen und der Materialpreis moderat ist.
SLA-Drucker haben in der Regel kleinere Bauräume, typischerweise bis etwa 200 × 200 × 250 mm bei Desktop-Geräten. Industrielle SLA-Systeme erreichen größere Volumina, sind aber deutlich teurer in Anschaffung und Betrieb. Die Stückkosten sind höher als bei FDM, insbesondere durch den teureren Materialeinsatz und die notwendige Nachbehandlung (Reinigung, UV-Nachhärtung).
SLS-Systeme arbeiten mit einem geschlossenen Pulverbett, das effizient mit mehreren Bauteilen gleichzeitig befüllt werden kann. Dadurch sinken die Stückkosten bei höheren Stückzahlen deutlich. Für Kleinserien ab etwa 50 bis 100 Teilen kann SLS wirtschaftlich attraktiv werden. Die Investitionskosten für SLS-Drucker liegen allerdings im sechs- bis siebenstelligen Bereich — SLS-Teile werden deshalb in der Regel bei spezialisierten Dienstleistern bestellt.
Kosten im Vergleich
FDM hat die niedrigsten Einstiegskosten und Materialkosten. Filament kostet je nach Material zwischen 20 und 120 Euro pro Kilogramm, Hochleistungsmaterialien wie PPS-CF können bis zu 200 Euro und mehr kosten. Die Maschinenkosten sind im Vergleich gering, und es fallen keine Nachbehandlungskosten wie Reinigungsmittel oder UV-Kammern an.
SLA-Resins kosten zwischen 40 und 200 Euro pro Liter, wobei ein Liter je nach Bauteilgröße für deutlich weniger Bauteile reicht als ein Kilogramm Filament. Hinzu kommen Kosten für Isopropanol zur Reinigung und Strom für die UV-Nachhärtung. Die Stückkosten liegen bei vergleichbaren Bauteilen typischerweise 30 bis 80 Prozent über FDM.
SLS-Bauteile werden in der Regel als Dienstleistung bestellt. Die Stückpreise hängen stark von Bauteilvolumen und Stückzahl ab. Für Einzelstücke sind SLS-Teile oft deutlich teurer als FDM, bei größeren Stückzahlen kann der Preis durch die effiziente Bauraumauslastung aber konkurrenzfähig werden.
Wann welches Verfahren
FDM ist die richtige Wahl für funktionale Prototypen, mechanisch belastete Bauteile, Kleinserien und Anwendungen, die auf spezifische Materialeigenschaften angewiesen sind. Die Materialvielfalt, die wirtschaftliche Fertigung bei kleinen Stückzahlen und die Eignung für technische Kunststoffe machen FDM zum vielseitigsten Verfahren im industriellen Umfeld.
SLA eignet sich besonders für optisch anspruchsvolle Prototypen, Modelle mit feinen Details, dentale und medizinische Anwendungen sowie Bauteile, bei denen die Oberflächenqualität im Vordergrund steht. Für mechanisch belastete Funktionsteile ist SLA in der Regel weniger geeignet.
SLS kommt dort zum Einsatz, wo komplexe Geometrien ohne Stützstrukturen gefordert sind, isotrope mechanische Eigenschaften benötigt werden oder Stückzahlen im mittleren Bereich eine effiziente Bauraumausnutzung ermöglichen.
FAZIT
FDM, SLA und SLS sind keine konkurrierenden Verfahren — sie ergänzen sich. Die Wahl des richtigen Verfahrens hängt von der konkreten Anwendung ab: geforderte Materialeigenschaften, Oberflächenanspruch, Geometriekomplexität, Stückzahl und Budget. Wir arbeiten mit FDM, weil es für unsere Zielgruppe — funktionale Prototypen und Kleinserien aus technischen Kunststoffen — das leistungsfähigste und wirtschaftlichste Verfahren ist. Für Anwendungen, bei denen SLA oder SLS besser geeignet wären, sagen wir das offen.
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